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Mundhygiene
Einmal sollte man systematisch alle Flächen reinigen, also auch die Zahnzwischenräume.
Zweitens sollte man ein gesundes Mittelmaß finden, zwischen zu wenig und zu viel, denn es kommen inzwischen auch häufig Patienten zu uns, die durch zu langes und starkes Putzen ihr Zahnfleisch und ihre Zähne geschädigt haben.
Das Eins, Zwei, Drei der Zahnseide
Zahnbürsttechnik, die so genannte Basstechnik
Alle Flächen
Hier sind zunächst die Zahnzwischenräume hervorzuheben. Wir wissen, Zahnseide, Zahnzwischenraumbürstchen, Superfloss und Zahnhölzchen sind bei vielen Patienten nicht sehr beliebt. Aber machen Sie sich bitte klar, dass die Zahnzwischenräume richtige Schmutzwinkel sind. Die Glattflächen der Zähne würden unsere Aufmerksamkeit bei der Mundhygiene eigentlich weniger beanspruchen, da sie durch die Selbstreinigung der Mundhöhle, durch die Zunge und faserreiche Nahrung viel besser sauber gehalten werden, als sie Zahnzwischenräume. Wenn wir unsere Patienten provozieren möchten, empfehlen wir auf die Zahnbürste zu verzichten und stattdessen zweimal täglich die Zwischenräume der Zähne zu reinigen. Natürlich macht das dann niemand. Aber diese Provokation soll verdeutlichen, dass die Zahnseide mindestens genauso wichtig ist, wie die Zahnbürste.
Zahnseide ist mindestens genauso wichtig, wie die Zahnbürste.
Machen Sie es sich doch leicht. Probieren Sie verschiedene Zahnseiden aus. Gehen Sie in eine Drogerie oder Apotheke und nehmen Sie unterschiedliche Arten mit. Sie finden sicherlich Ihre Lieblingszahnseide darunter. Das ist zum größten Teil eine Geschmackssache, so wie bei den Männern die Vorliebe für Nass- oder Trockenrasur. Es gibt jedenfalls ein reiches Angebot am Markt: Dick oder dünn, gewachst oder ungewachst, feine Fäden oder breite Bänder, fluoridiert oder nicht, mit oder ohne Pfefferminzgeschmack, mit den verschiedensten Halterungen und Bögen ... Was Sie dann konkret nehmen, wie schließlich ihre "Lieblingszahnseide" aussieht, oder ob Sie häufiger einmal wechseln wollen, ist medizinisch unbedeutend. Wichtig ist aus zahnärztlicher Sicht, dass Sie Zahnseide benutzen, nicht welche.
Bei der korrekten Ausführung der Zahnzwischenraumhygiene müssen dann die Besonderheiten des Patienten beachtet werden. Normalerweise funktioniert Zahnseide gut. Bei Brücken, verblockten Kronen, Retainern oder geschienten Zähnen kommt man von "oben" nicht in den Zahnzwischenraum. Deshalb muss man Superfloss mit dem starren Ende von der Seite einfädeln, oder man nimmt Zahnzwischenraumbürstchen. Patienten mit fortgeschrittener Parodontitis und weit offenen Zahnzwischenräumen putzen häufig auch mit entsprechend großen Zahnzwischenraumbürstchen effektiver als mit Zahnseide.
Zahnzwischenraumbürstchen gibt es in verschiedenen Formen, Größen und mit unterschiedlichen Halterungen.
Was man mit der Zahnseide nicht machen sollte, ist folgendes: Man bewegt sich mühsam durch den Kontaktpunkt der Zähne. Das ist für Ungeübte oft gar nicht so einfach. Wenn man das endlich geschafft hat, stößt man einen Siegesschrei aus und zieht die Zahnseide wieder raus. Das ist aber nicht gut. Die ganze Sache beginnt eigentlich erst, wenn man mit der Zahnseide im Zahnzwischenraum angelangt ist. Jetzt wird die Zahnseide "C-förmig" erst um die eine Zahnfläche gelegt und kurz etwas hin und her und rauf und runter bewegt (- nicht dabei verkünsteln!) Dann kommt die andere benachbarte Zahnfläche ebenso dran und erst dann geht man raus. Also sind es drei Schritte: das Eins, Zwei, Drei der Zahnseide [+]
- Durch den Kontaktpunkt bewegen.
- Die Zahnzwischenraumfläche des einen Zahnes reinigen.
- Die Zahnzwischenraumfläche des anderen Zahnes reinigen, und erst dann geht es wieder raus.
Es gibt bei der Zahnseide noch ein Problem. Am Anfang kann das Zahnfleisch ganz schön bluten. Zwei Ursachen sind hierfür zu finden. Einmal schnalzt die Zahnseide durch den Kontaktpunkt auf die Zahnfleischpapille. Das abzustellen ist einfach eine Frage der Übung und Geschicklichkeit. Man sollte die Zahnseide kurz fassen und vorsichtig mit leichten Sägebewegungen durch den Kontaktpunkt führen. Mit etwas Übung gelingt das, und der Faden verletzt nicht die Gingiva.
Zahnfleischbluten
Zum anfänglichen Bluten: Wenn es beim Benutzen von Zahnseide oder der Zahnbürste blutet, kann ein Reflex sein: "Oh Schreck, es blutet, da mach ich nichts mehr!" Falsch! Denn das Bluten kommt von der bakteriellen Zahnfleischentzündung. Also putzen Sie gerade an den Stellen, an denen es blutet, weiter. Sie entfernen so die bakteriellen Beläge. Wenn der bakterielle Belag weg ist, verschwindet in ein paar Tagen auch die Entzündung des Zahnfleisches und es blutet nicht mehr. Also wenn es beim vernünftigen Reinigen der Zähne blutet, putzen Sie bitte gerade diese Stellen entschlossen, regelmäßig und vorsichtig weiter. In kurzer Zeit wird das Zahnfleischbluten verschwinden. Wenn nicht, dann kommen Sie bitte gleich zu uns. Es könnte z. B. sein, dass Sie tiefe Zahnfleischtaschen, ab drei Millimeter und aufwärts haben. Diese können Sie nicht effektiv reinigen. Die Bakterien bleiben drin, die Entzündung geht nicht weg und es blutet trotz Ihrer perfekten Mundhygiene. In diesen Fällen ist eine Reinigung der Taschen durch das zahnärztliche Team unumgänglich. Es gibt darüber hinaus noch andere Gründe für Zahnfleischbluten, die Sie selbst nicht abstellen können. Sprechen Sie mit uns!
Zahnbürste
Welche Zahnbürste Sie benutzen, ist nicht so entscheidend. Elektrische Bürsten mit oszillierenden runden Köpfen schneiden bei Studien um ca. 10 % besser ab als Handzahnbürsten. Für Behinderte, alte Menschen und evtl. auch bei Kindern haben die elektrischen Zahnbürsten klare Vorteile. Unseres Erachtens ist ein Abwechseln zwischen elektrischer und Handzahnbürste oder auch Schallzahnbürste eine gute Idee, denn jede Methode hat ihre Stärken.
Bedenken Sie dabei, dass weder die Zahnbürste, noch die Zahnpasta wirklich ausschlaggebend ist. Ich habe früher Tennis gespielt und wenn es nicht so recht lief, haben wir immer gerne den Schläger gewechselt - meist ohne größeren Erfolg. Dann wurde häufig der Spruch laut: Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist die Badehose schuld.
Kaufen Sie also nicht gleich eine neue Badehose, sondern überlegen Sie mit uns wie man die Zähne richtig mit der Zahnbürste reinigen kann, die Sie bereits haben. (Dass die Bürste nach 2 - 3 Monaten aus hygienischen Gründen erneuert wird, setzen wir voraus.)
Also entscheidend ist das Wo, nicht so sehr das Wie. Sie sollten alle Zahnflächen irgendwie mit den Borsten reinigen. Wie Sie dabei die Borsten bewegen, ob in kleinen Kreisen (empfehlenswert) oder von Rot nach Weiß oder schrubbend (beides nicht so toll) ist zweitrangig.
Entscheidend ist das Wo. Damit Sie keine Stelle vergessen und auch umgekehrt nicht manche Bereiche zu viel putzen, schlagen wir eine strenge Reihenfolge vor. Üben Sie einfach, in dieser Reihenfolge zu putzen. Das müsste gelingen, denn es ist im Grunde gar nicht schwer:
Wo
Zuerst putzen Sie den Unterkiefer, dann erst den Oberkiefer.
Im Unterkiefer fangen Sie als Rechtshänder rechts hinten bei den Innenflächen an und putzen die Innenflächen des gesamten Unterkieferzahnbogens bis nach links hinten durch. Wenn Sie links hinten sind, putzen Sie auf den Kauflächen wieder zurück, um dann zum Schluss erst die ganzen Außenflächen zu putzen. Im Oberkiefer machen Sie es bitte genauso: erst die Innenflächen, dann die Kauflächen und zum Schluss erst die Außenflächen.
Wenn das geschafft ist, putzen Sie bitte im Ober und Unterkiefer die letzten Zähne links und rechts noch einmal extra. Diese Zähne, oft sind es die Weisheitszähne, werden meistens nicht so gut geputzt. Also gehen Sie bitte dort noch einmal besonders mit der Bürste hin.
Nachdem wir jetzt geklärt haben, wo und in welcher Reihenfolge geputzt werden sollte, kommen wir zum Wie. [+]
Wie
Für die meisten Patienten dürfte die Bass-Technik geeignet sein: Der entscheidende Punkt bei dieser Technik ist, dass die Borsten nicht senkrecht auf die Zahnflächen zeigen, sondern ungefähr 45° zum Zahnfleisch gewinkelt sind. Es wird der Bürstkopf schräg zum Zahnfleisch geneigt, im Oberkiefer nach oben im Unterkiefer nach unten.
Das hat den Effekt, dass die Zahnflächen am Zahnfleischrand und in den Zahnzwischenraum hinein viel effektiver geputzt werden. Wenn nun die Neigung der Borsten zum Zahnfleisch hin stimmt, macht man kleine kreisende oder rüttelnde Bewegungen. Das ist alles.
Wir versuchen die Neigung des Bürstkopfes zum Zahnfleisch hin an Fotos zu zeigen. Noch besser ist allerdings, Sie lassen sich das Ganze in der Praxis demonstrieren.
Bei unserem Mundhygienetraining üben wir mit dem Patienten in aufeinander folgenden Schritten die jeweilige Methode. Einfach nur dem Patienten etwas zu zeigen, in der Hoffnung, er wird das dann zu Hause schon richtig machen, ist blauäugig. Wir zeigen zunächst dem Patienten etwas, dann lassen wir es uns vom Patienten erklären, um zu sehen, ob er es vollständig theoretisch erfasst hat. Und schließlich erfolgt die praktische Übung am Modell und im Mund des Patienten.
Bürsten Sie auch Ihre Zunge regelmäßig mit der Zahnbürste, einer speziellen Zungenbürste oder, wie hier abgebildet, einem Zungenschaber.
Bedenken Sie bitte auch, dass Bakterien, die Karies und Parodontose verursachen können, bei engem Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen werden.
Das rechte Maß
Bevor Sie jetzt zum Zahnputzfanatiker werden, etwas zum zweiten Grundsatz, den wir einleitend erwähnt haben: dem rechten Maß.
Zu hoher Bürstdruck, oft gepaart mit schrubbenden Bürstbewegungen, führt häufig zu Schäden am Zahnfleisch und den Zahnhälsen. Typisch sind nicht entzündliche Gingivarezessionen (Zahnfleischrückgang) und keilförmige Defekte an den Zahnhälsen. Um diese Schäden zu verhindern und erfolgreich behandeln zu können, muss der Patient sein Putzverhalten umstellen. Der Anpressdruck der Zahnbürste sollte nicht höher als ca. 200 g entsprechend sein. Üben Sie das ruhig mit einer Zahnbürste und einer Briefwaage. Ein guter Indikator ist auch Ihre Zahnbürste. Sie sollten ohnehin nur eine weiche, höchstens aber eine mittelharte Zahnbürste verwenden. Wenn die Borsten der Zahnbürste sich nach kurzer Zeit seitlich aufspreizen, bürsten Sie mit zu viel Kraft. Eine Zahnbürste, die Sie nach 2 bis 3 Monaten aus hygienischen Gründen wegwerfen, sollte immer noch gerade, nicht verbogene Borsten haben.
Bürsten Sie bitte auch in der von uns empfohlenen Reihenfolge. Fangen Sie mit den Innenflächen im Unterkiefer an, gehen Sie dann auf die Kauflächen und erst ganz zum Schluss auf die Außenflächen. Das verhindert, dass Sie sich zu sehr an den Außenflächen der Zähne verkünsteln und Ihre "Schauseite" zu stark putzen - andere Flächen dafür wiederum zu wenig geputzt werden.
Die Bürstdauer sollte am Tag insgesamt 6 bis 7 Minuten nicht überschreiten. Elektrische und Schallzahnbürsten benötigen aufgrund der sehr schnellen Bewegungen etwas weniger Zeit. Diese Bürsten haben häufig einen integrierten Timer.
Verwenden Sie keine Antibelagzahnpaste oder "aufhellende" Zahnpasten mit starken Putzkörpern. Sie putzen sich sonst nicht nur den Zahnbelag und etwaige Verfärbungen, sondern auch Ihre gesunde Zahnsubstanz weg.
Wie bei vielen Dingen im Leben sollten Sie ein Gefühl für das rechte Maß auch bei der Mundhygiene entwickeln.





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