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Knirschen und Pressen, Kiefergelenksbeschwerden
Kurz: Zähneknirschen und -pressen wie auch Beschwerden der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke sind häufig. Durch Knirschen können die Zähne Substanz verlieren. Einleitende Behandlungsmaßnahmen sind:
1. Eine Aufbissschiene aus durchsichtigem Kunststoff schützt die Zähne vor weiterem Substanzverlust. Die Schiene kann auch das Kiefergelenk entlasten.
2. Statt mit den Zähnen zu knirschen und zu pressen, sollten die Patienten durch Sport, Wandern, Tanzen usw. ihren Stress abbauen.
3. Entspannungstechniken, wie autogenes Training oder Yoga, helfen bei der Stressbewältigung und vermindern die Kieferprobleme. Außerdem sollten Patienten, die Knirschen und Pressen, darauf achten, dass ihr Unterkiefer in einer entspannten Haltung ohne Zahnkontakt ist (Ruheschwebe).
4. Durch Autosuggestion kann das Knirschen und Pressen auch während der Nacht verringert werden. Dabei nimmt man sich vor dem Einschlafen fest vor, nachts nicht zu knirschen.
Kiefergelenksbeschwerden führen häufig zu Missempfindungen und Schmerzen direkt an den Gelenken beidseits vor den Ohren. Man kann die Kiefergelenke bei der Mundöffnung gut unmittelbar vor den äußeren Gehörgängen tasten, oder wenn man die Finger in den äußeren Gehörgang steckt, spürt man das Kiefergelenk beim Öffnen und Schließen des Mundes.
Knacken und Reiben können in den Kiefergelenken auftreten. Gelegentlich kann es auch zu einem teilweisen oder vollständigen Auskugeln der Kiefergelenke kommen. Dabei sind dann auch die Öffnungs- und Schließbewegungen gestört und bisweilen unmöglich (Kieferklemme und -sperre). Kiefergelenksschmerzen strahlen gelegentlich in andere Gebiete aus und können so zum Beispiel Kopfschmerzen oder Schmerzen im Hals- und Rückenbereich mitverursachen.
Häufig verbunden mit Kiefergelenksbeschwerden ist das Knirschen und Pressen der Zähne. Knirschen kann zu erheblichem Abrieb der Zähne führen. Bei starkem Knirschen können die Zahnkronen oft mehr als die Hälfte ihrer Substanz und Höhe verlieren. Beim Knirschen und Pressen der Zähne (Bruxismus) treten gehäuft Beschwerden nicht nur der Kiefergelenke, sondern auch an der Kaumuskulatur und den Sehnen auf.
Eine diskutierte Ursache für Bruxismus ist (Dis-) Stress, also eine falsche Abreaktion von Belastungen. Der Volksmund hat entsprechende Redensarten, die auf den Zusammenhang geistiger und körperlicher Anspannung mit Pressen und Knirschen der Zähne hinweisen:
- "da musst du dich durchbeißen"
- "der ist zerknirscht"
- "da muss man einfach die Zähne zusammen beißen"
- "der ist verbissen" ...
Etwa ein Drittel der Kinder Knirschen mit den Zähnen. Das gehört meist zur normalen Entwicklung und endet häufig schon wieder noch, bevor die bleibenden Zähne kommen. Allerdings gibt es auch vereinzelt zu starkes und krankhaftes Knirschen bei Kindern.
Bei Erwachsenen ist das Pressen und Knirschen mit den Zähnen nicht immer stressbedingt. Bisweilen ist ein Faktor auch eine beginnende neurodegenerative Erkrankung wie Morbus Parkinson oder Chorea Huntington. Auch eine Medikamenteneinnahme, wie bestimmte Antidepressiva, kann für den Bruxismus ursächlich sein.
Welche Maßnahmen können helfen?
1. Schienen
Aufbissschienen aus Kunststoff sehen ähnlich aus wie herausnehmbare Spangen zur Zahnregulierung, allerdings sind Aufbissschienen, anders als Spangen, meistens nur aus Kunststoff und ohne Halte- oder Bewegungselemente aus Draht. Der Kunststoff der Schienen ist weich im Verhältnis zum Zahnschmelz und man kann dadurch verhindern, dass, besonders unbewusst während der Nacht, die Zähne durch Knirschen und Pressen noch mehr Substanz verlieren. Statt dass sich die Zähne gegenseitig abreiben, wird die relativ weiche Schiene zwischen den Zähnen verschlissen, die Zähne werden geschont. Schienen werden meist nachts getragen, man kann sie aber auch tagsüber tragen, wenn man nicht gerade isst oder viel sprechen muss. Schienen sollten auch nur nach Bedarf getragen werden, z. B. vor Prüfungen, wenn man stark angespannt ist und nachts merklich knirscht.
2. Bewegung
Statt mit der bei vielen Menschen gut trainierten Kaumuskulatur, sollte Stress durch die großen Muskeln des Rumpfes und der Extremitäten abgebaut werden. Also nicht Knirschen oder Pressen mit den Zähnen, sondern Wandern, Waldlaufen, Rudern, Fußballspielen, Tanzen, Holz hacken, Putzen ...
3. Entspannen
Wer unter Stress leidet, sollte eine wirksame Entspannungstechnik beherrschen. Was man da im Einzelnen macht, ist u. E. nicht so entscheidend. Wichtig ist nur, dass man aus der Stresssituation bewusst und geplant herauskommt. Ob das mit autogenem Training, mit Yoga, mit einem guten Buch oder durch Musizieren gelingt, ist individuell sehr verschieden. Wichtig scheint nur, dass man eine oder mehrere Techniken der Entspannung und des Abschaltens, der Meditation und Besinnung lernt und übt. Das kann auch und gerade in unvorhergesehenen Lebenskrisen eine enorme Hilfe sein.
Außerdem sollten Patienten, die Knirschen und Pressen, darauf achten, dass ihr Unterkiefer in einer entspannten Haltung ohne Zahnkontakt ist. Normalerweise sollten die Zähne nicht zusammengebissen sein. Kontakt haben somit die Zähne nur für kurze Momente, beispielsweise beim Schlucken oder beim Kauen. Ein kurzes Zusammenpressen der Zähne bei Anstrengungen oder Schmerz ist auch unbedenklich. Kritisch wird es, wenn die Patienten gewohnheitsmäßig über längere Zeit, im Wachzustand oder während dem Schlaf, die Zähne aufeinander pressen oder reiben (Knirschen oder Pressen). Im entspannten Zustand sollte der Unterkiefer etwas hängen und keinen Zahnkontakt zu den Oberkieferzähnen haben. In der Fachsprache der Zahnmedizin heißt das "Ruheschwebe". Das ist eine lockere Haltung, bei der der Unterkiefer entspannt ist, im Gegensatz zu einer verkrampften, angespannten und "verbissenen" Position der Zähne zueinander. Allerdings ist die lockere Ruheschwebe des Unterkiefers auch keine schlappe, völlig spannungslose, atonische Haltung. Die richtige entspannte und lockere Haltung liegt sozusagen zwischen "völlig schlapp" und ohne jede Spannung einerseits und verkrampft andererseits.
4. Autosuggestion
Viele Patienten knirschen vor allem in der Nacht. Dadurch scheint das Knirschen unkontrollierbar. Allerdings kann man sich auch für das Schlafen Dinge vornehmen. Das wirkt. Ein gutes Beispiel ist, wenn man sich vornimmt, zu einer bestimmten Zeit aufzustehen. Viele Menschen werden dann kurz vor dem Wecker wach, besonders wenn es ein wichtiger Termin und eine ungewohnte Weckzeit ist. In der katholischen Tradition gibt es dafür auch ein Gebet. Es lautet,
heiliger St. Veit, weck mich bei der Zeit, nicht zu früh und nicht zu spat, wenn die Uhr auf (fünfe ...) staht.
Ebenso kann man sich vor dem Einschlafen vornehmen, während der Nacht nicht zu knirschen.
Für Knirschen und Pressen, für Probleme mit der Kaumuskulatur und den Kiefergelenken gibt es neben diesen leichten und anfänglichen Maßnahmen noch weitere Verfahren in der Diagnostik und Behandlung.

